08.06.2018

#branchennews: Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall - Teil 1

Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist im §3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) geregelt.

Grundsätzlich haben Sie als Arbeitnehmer gemäß §3 EntgFG einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung infolge Krankheit. Dieser Anspruch ist jedoch an zwei Bedingungen geknüpft:

  • Die Arbeitsunfähigkeit muss unverschuldet hervorgerufen worden sein.
  • Das Arbeitsverhältnis mit Ihrem Arbeitgeber muss bereits vier Wochen ohne Unterbrechung bestehen.

Sind beide Gegebenheiten erfüllt, haben Sie bis zu sechs Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch Ihren Arbeitgeber. Die Höhe der Fortzahlung bezieht sich auf Ihren Verdienst für die ausgefallene Arbeitszeit. Überstunden werden in der Regel nicht hinzugerechnet, es sei denn, die Überstunden sind in der Vergangenheit so zur Gewohnheit geworden, dass diese zu der normalen Arbeitszeit zählen.

Dauert Ihre Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage an, sind Sie verpflichtet dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorzulegen. Dieses kann Ihr Arbeitgeber jedoch auch schon eher verlangen. Falls die Bescheinigung Ihrem Arbeitgeber nicht rechtzeitig vorliegt, kann dieser die Zahlung verweigern. Allerdings haben Sie in diesem Fall als Arbeitnehmer rückwirkenden Anspruch auf Ihre Entgeltfortzahlung.

Sollten Sie innerhalb der ersten vier Wochen Ihres Arbeitsverhältnisses erkranken, bekommen Sie Geld von Ihrer Krankenkasse. Sollte Ihre Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit länger als sechs Wochen andauern, bekommen Sie in der Regel ebenfalls Krankengeld von Ihrer Krankenkasse. Dabei richtet sich die Höhe des Krankengeldes nach Ihrem Einkommen. Ihr Arbeitgeber ist in diesen beiden Fällen gem. §3 EntgFG von seiner Zahlungspflicht befreit.

Eine Zahlungspflicht seitens Ihres Arbeitgebers besteht ebenfalls nicht, wenn Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet haben. Dies ist der Fall, wenn Sie vorsätzlich oder besonders fahrlässig handeln und daraus eine Arbeitsunfähigkeit resultiert. Ein Beispiel hierfür ist die Ausübung einer gefährlichen Nebentätigkeit oder das Verursachen eines Autounfalles infolge Trunkenheit am Steuer.

Sollten Sie wiederholt krankheitsbedingt arbeitsunfähig sein, gilt es folgende Dinge zu beachten. Zunächst muss festgestellt werden, ob es sich um eine neue Krankheit oder eine Folgeerkrankung (erneute Erkrankung durch dieselbe Krankheit) handelt. Bei neuen Erkrankungen entsteht grundsätzlich ein neuer Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber für maximal sechs Wochen. Handelt es sich um eine Folgeerkrankung, d.h. liegen mehrere Arbeitsunfähigkeiten infolge derselben Krankheit vor, haben Sie als Mitarbeiter nur Anspruch auf Entgeltfortzahlung für den Zeitraum von max. sechs Wochen. Dies gilt auch, wenn Sie zwischendurch wieder für ein paar Tage gearbeitet haben. Die Zeiträume der Erkrankung werden in diesem Fall addiert. Ausnahmen sind hier:

  • Wenn bei erneuter Erkrankung an derselben Krankheit, zwischen dem Ende der letzten Arbeitsunfähigkeit und dem Beginn der neuen Arbeitsunfähigkeit, ein Zeitraum von sechs Monaten liegt.
  • Wenn seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit, folglich derselben Krankheit, eine zwölfmonatige Frist abgelaufen ist und Sie erneut wegen der gleichen Krankheit krankgeschrieben werden.

In beiden Fällen erwerben Sie als Arbeitnehmer einen neuen Anspruch auf Entgeltfortzahlung von max. sechs Wochen.

Bei Fragen rund um das Thema Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall können Sie uns jederzeit gern kontaktieren.

In Teil 2 informieren wir Sie darüber, was Sie als Arbeitgeber beim Thema Lohnfortzahlung beachten müssen.